Montag, 18. Mai 2015

Die KITA streikt - und nun?

Dass ich mit diesem Post wahrscheinlich einige belehrende und schimpfende Erzieherinnen auf den Plan rufen werde, ist mir absolut klar, aber gerade ziemlich egal!


Schon länger gehen mir die Streiks in diesem Land, die mit utopischen Forderungen einhergehen gewaltig gegen den Strich.
Der ewige Streik der Lokführer nervt irgendwann nur noch. OK, ich komme trotzdem voran, auch wenn es sich für mich sehr schwierig gestaltet. Normalerweise fahre ich mit dem Bus bis zum Bahnhof und von da aus eine Haltestelle mit dem Zug zum Flughafen. 4 Minuten dauert diese Fahrt. Da es aber keine direkte Busverbindung gibt muss ich statt der 4 Minuten ganze 3 x umsteigen und verliere 2 1/2 Stunden Zeit. Das ist für mich persönlich ein großes Problem, denn ich muss morgens 3 Kinder versorgen und eins davon noch in der KITA abliefern.

Ach ja, die KITA. Die streiken ja jetzt auch schon ne Weile. Unsere hat davon bisher glücklicherweise abgesehen, aber Panik, dass auch unsere Erzieherinnen bei dem Zirkus mitmachen könnten hatte ich die ganze Zeit. Das wäre natürlich mein persönliches Worst - Case - Szenario, denn ich habe NIEMANDEN, der die kleine Prinzessin dann nehmen könnte. Und wenn ich niemanden schreibe, dann meine ich das auch so! Keine Oma oder Opa, nichts! Meine Mutter hat sich leider nie so wirklich für mich oder mein Leben interessiert, und Aleyna ist ihr sowieso zu anstrengend. Die wenigen wo in Frage kommen würden, sind selbst arbeiten. Abgesehen davon kann man ein I-Kind wie Aleyna, das riesige Probleme mit jeglicher Veränderung hat, nicht einfach mal eben irgendwo "parken".  Also beten und hoffen, dass doch wenigstens dieser Kelch an mir vorbei ziehen wird.


Am Freitag nach meinem Feierabend hat dann dieser Zettel auf mich gewartet:




Na Glückwunsch! Und nun?
Es ist ja nicht so, als  hätte man sonst keine Probleme im Leben, jetzt bekommt man noch mehr von wildfremden Menschen aufgehalst. Ja, ich bin sauer! So sauer, dass ich es kaum in Worte fassen kann!
Ganz ehrlich, 10 % mehr Gehalt sind doch utopisch und ich glaube auch absolut nicht daran, dass sie damit durchkommen!
Ich verstehe einfach nicht, warum ich überhaupt einen Job anfange, wo mir das Gehalt nicht passt?! Ja, jeder kann sich aussuchen was er machen möchte, woran er/sie Spaß hat, aber wenn mir das Gehalt nicht passt, dann muss ich es eben lassen und nicht erst ne Jahrelange Ausbildung machen um dann später zu schimpfen und seinen Ärger auf dem Rücken anderer auszutragen!

Auf meine Frage hin, wer denn eigentlich festlegt was zu wenig und was genug ist bekam ich die Tage die Antwort "Dafür dass wir pädagogischen Fachkräfte genau so wertvolle Arbeit leisten wie Lehrer, ist es im Vergleich deutlich zu wenig". Ja sorry, alles was ich dazu sagen kann ist: Wenn man das Gehalt eines Lehrers möchte, muss man eben auch studieren und dann Lehrer werden. 

Immer wieder muss man sich von Erzieher/innen anhören, dass sie das nicht machen um die Eltern zu ärgern. Die Eltern sollen sich zusammentun und sich beschweren!
Aha, daher läuft nämlich der Hase! Sie wollen doch tatsächlich die Eltern als Spielball benutzen! WIR sollen uns beschweren, damit DIE ihr Vorhaben durchboxen können?! Nein, nicht mit mir, ich beschwere mich nun prinzipiell nicht. 
Ich helfe gerne jedem der es nötig hat, aber ich lasse mir doch nicht ernsthafte Probleme machen und helfe denen dann noch!
Es wird ohne Rücksicht auf Verluste gehandelt und dann auch noch Verständnis regelrecht verlangt. Aber wer hat nun Verständnis für all die Eltern, die jetzt da stehen und nicht wissen wie es weiter gehen soll?!

Vorhin hab ich es hinter mich gebracht und auf der Arbeit angerufen. Als Antwort bekam ich, dass das kein Arbeitgeber - Problem sei und ich definitiv kommen muss. Ja, und jetzt? Einfach nicht hingehen und eine Kündigung in Kauf nehmen?
Ich habe gerade Tränen vor Wut und Verzweiflung in den Augen.

Danke, liebe Erzieher/innen.!


Kommentare:

  1. Unser Kindergarten streikt zwei Wochen. Das ist die Hölle! Ich habe mir mal den Spaß erlaubt und geguckt was Erzieherinnen verdienen. Davon kann ich nur träumen. Wir müssen jetzt wegen dem streik unseren Jahresurlaub verballern oder was???? Ich bin auch echt wütend!

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  2. Ich kann es verstehen. Sie müssen immer mehr machen. Manche Kita's haben nun neu dazu U3 Plätze! Aber ich kann auch deine Seite verstehen. Ich bin nicht mehr betroffen, da mein kurzer in der Schule ist. Aber ich finde auch das beide Streiks egal ob Kita oder Bahn auf dem Rücken vieler unschuldiger ausgetragen wird. Deren Job davon abhängt! Aber ich kann auch ein stückweit die andere Seite verstehen.

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  3. Ich habe vollstes Verständnis für die Menschen, die streiken!
    Sie machen das nicht, um die Eltern zu ärgern. Sie machen es, weil sie verdammt noch mal mehr Lohn für diese Arbeit benötigen!!
    Ich fordere mehr Vertändis und Empathie für Dienstleistungen, die, wie es aussieht, als Normalzustand hier gelten.

    Es tut mir leid, dass es dein Leben dadurch schwieriger wurde, aber mit solchen Misständen muss man eben umgehen, sie gehören zum Leben dazu!


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    1. Dann bin ich jetzt mal so fies und wünsche dir meine Situation, mal sehen wie viel Verständnis du dann noch hast! Die meisten Menschen haben gut reden, bis sie selbst so in die Ecke gedrängt werden.

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  4. Der Kindergarten meiner Enkelin streikt auch volle 2 Wochen. Was tun, wenn man gerade erst einen neuen Job angefangen hat und eigentlich noch keinen Urlaub bekommt? Keine Ahnung. Man kann eh keine 2 Wochen nehmen, denn dann ist das Problem ja nur verlagert, denn was macht man dann in den Sommerferien und den anderen Tagen, die der Kindergarten geschlossen ist? Klar, es gibt auch eine Norgruppe, nur leider in einem anderen Ort und da müsste man dann vor der Arbeit hinkommen, aber mit öffentlichen Unternehmen kann man das vergessen. Dann käme man zu spät und das könnte dann auch wieder zu Problemen auf der Arbeit führen, denn dafür haben die wenigsten Arbeitgeber Verständnis.

    Bin ich froh, das es das früher so nicht gab, denn ich hätte auch nicht gewusst, was ich da hätte machen können. Fremdbetreuung durch Mütter, das muss das Kind ja auch erst mal verkraften und nicht jedes Kind ist dafür offen. Ich falle bei der Betreuung leider raus, obwohl ich gerne helfen würde, aber ich bin selbst auf Hilfe angewiesen, da ich Schwerbehinderte bin und es nicht schaffen würde, meine Enkelin, die ich über alles liebe, für den ganzen Tag zu beaufsichtigen. Meine Tochter verdient übrigens noch weniger, trotz Arbeit muss sie weiterhin Hartz4 beziehen und das sie für den Streik da kein Verständnis hat, ist wohl auch klar. Hab ich aber auch nicht, tut mir leid. Klar machen die Erzieherinnen einen tollen und auch schweren Job, aber genau das war z.B. der Grund, weshalb meine Tochter keine Erzieherin geworden ist, weil das weiß man doch auch schon vor der Ausbildung.

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  5. Was den Satz betrifft " na dann hätten sie sich halt einen anderen Beruf suchen sollen" den ich hier gelesen habe, dem kann ich nur entgegensetzen, dass ich wenige Berufe kenne, die einen so starken Wandel in den letzten 30 Jahren mitgemacht haben, was die Aufgaben betrifft. Als ich den Beruf erlernt habe (vor über 20 Jahren), waren es deutlich weniger Kinder die je Erzieher zu betreuen waren, der Dokumentationswahn war deutlich geringer und sowohl die Anzahl der Kinder mit Problemlagen deutlich geringer wie auch die Problemlagen als solches. Die Förderungsgebiete waren auch deutlich kleiner und der U3 Bereich gar nicht vorhanden. Wegrationalisiert wurden in den meisten Kindergarten die entsprechenden Fachkräfte: Psychologen, Logopäden die entweder in großen Kindergärten gleich vorhanden waren, oder für die Stadt tätig.
    Aus dieser Perspektive verstehe ich durchaus, dass Erzieher mehr Gehalt wollen Was ich nicht verstehe ist die schlechte Auffangsituation in vielen Städten. In meiner Wohnstadt gibt es "Notfallplätze" für Kinder die keine andere Betreuungsmöglichkeit haben. Meiner Arbeitssstadt hingegeben sind diese Eltern offensichtlich völlig egal.
    Um das gleich vorwegzunehmen. Ich arbeite nicht als Erzieher und habe es auch ausser im Anerkennungsjahr nicht getan. MIR war die Belastung schon vor 20 Jahren zu hoch. Ich habe anschließend studiert und arbeite nun als Sozialpädagogin mit benachteiligten Jugendlichen…zwar für das gleiche Gehalt (wir kämpfen um einen Mindestlohn) aber für mich gefühlt deutlich stressfreier.

    Die Situation eines I-Kindes ist natürlich noch mal eine ganz besondere. Da wäre ich als betroffene Mutter auch etwas panisch. Aber wie gesagt aus der Sicht einer ehemaligen Erzieherin kann ich hier doch bis zu einem gewissen Grad Verständnis aufbringen. Was die 10% mehr betrifft. Ist das ja bei Lohnverhandlungen in dem Stil immer wie auf dem orientalischen Markt...es wird von beiden Seiten gefeilscht. Nein ich glaube auch nicht dass es 10% mehr sind, ich denke realistisch sind so 3%...aber um die zu erreichen müssen die Gewerkschaften hoch ansetzen.

    Was ganz anderes ist der Bahnstreik, da steckt (und hier bin ich gar nicht betroffen) für mich inzwischen mehr Machtspiele als alles andere dahinter und verschiedene Interessen der betroffenen Gewerkschaften. Hier bin ich definitiv mit genervt obwohl nicht betroffen. Weil hier der Austragungsort (die betroffenen Kunden) für mich einfach der falsche ist.

    Noch was grundsätzliches zum Streik in Deutschland. Ich hab da vor kurzem für ein Konzept eine Statistik benötigt, danach ist Deutschland eins der streikärmsten Länder Europas.
    Leider sind die neusten Daten nur mit Premiumaccount zu sehen, ich kann jedoch versichern, dass sie sich nicht wesentlich von diesen Daten untrscheiden:
    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/384248/umfrage/jaehrlich-durch-streiks-ausgefallene-arbeitstage-nach-laendern/

    Ähnliche Belege gibt es massig im Inet

    Ich weiss das Post ist nicht das, was du hören willst und in meiner Rolle als Mutter hast du mein vollstes Verständnis. Ich bekomme ja schon mit einem Kind das Panik P auf die Stirn, wenn ein Streik ansteht und möchte um nichts in der Welt mit dir tauschen. Nichts desdo Trotz ist auch die andere Seite da, die die Burnout rate im Beruf der Erzieher kennt und eben die Verantwortung.

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  6. Puh...also vorweg: Ich bin Erzieherin. Ich arbeite in einer kleinen Elterninitiative und bei uns hat seit 30 Jahren keiner gestreikt. Nein, auch ich werde nicht streiken, obwohl ich Verdi-Mitglied bin und schön brav meine Beiträge zahle. Wir bekamen sogar das Angebot von einer Mutter, dass sie Elterndienst machen würde, falls jemand streiken möchrte. Nein, wir haben das nicht in Anspruch genommen. Ich kann das verstehen, dass man verärgert ist und erstmal aufgeschmissen, wenn die Betreuung auf einmal ausfällt. Bei der Stadt gibt es dafür z.B. Notkitaplätze.
    Ich finde Deinen Beitrag schon hart, auch wenn Du persönlich so betroffen bist. Kein Mensch ewartet, dass es am Ende wirklich 10 % gibt. Aber irgendwo muss man ja ansetzen, um sich dann bei ein paar mickrigen Prozent zu treffen. So läuft das. Wenn man das ganz große Geld verdienen will, wird man bestimmt nicht Erzieherin!! Aber auch für eine Erzieherin steigen die Lebenshaltungskosten. Statt auf den Erziehern rumzuhacken, sollte man seine Energie vielleicht lieber dazu nutzen sich zu organisieren. Wenn es keine Notplätze gibt, mit anderen Eltern zusammentun und die Betreuung organisieren. Und vielleicht die Arbeitgeber und die Politik dafür verantwortlich machen und die Erzieher unterstützen. Und zu deiner Argumentation, warum man sich einen job sucht, wo man einen Hungerlohn verdient, könnte ich ja kontern: Warum suchst du dir nicht einen job, wo der Arbeitgeber so sozial eingestellt ist, dass man nicht gleich gefeuert wird, wenn man 1 Tag keine Betreuung für die Kinder hat??? Liebe Grüße!

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    1. Oh, ich glaube mein Arbeitgeber ist sozialer eingestellt als manch anderer. Aber die letzte Zeit habe ich viel gefehlt, weil wir oft und viel in der Klinik waren. Irgendwann ist dann auch die Geduld vom nettesten AG am Ende. ;o)

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  7. Ich verstehe dich voll und ganz.
    Ich möchte mal das Gesicht meines Arbeitgebers sehen, wenn ich sage, ich will jetzt 10 % mehr Geld. Hallo? Das ist nicht mal ansatzweise realistisch. Bei uns hier streiken die Kitas diese Woche auch noch. Ich habe gerade neue Arbeit angefangen, kann also gar nicht zu Hause bleiben. GOTT sei dank, habe ich Omas und Tanten hier, die einspringen. Sonst hätte ich nach knapp zwei Monaten auch keinen Job mehr.

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